DAO und das I GING

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Eines der wohl bekanntesten chinesischen Schriftzeichen, welches inzwischen auch in Europa fast jeder kennt, ist die Kalligraphie von DAO. Keine nennenswerte Kampfkunst, die neben der physischen Ausführung ihrer Techniken Wert auf mentale Aspekte legt, kommt heute ohne das Dao aus. In der koreanischen Variante des chinesischen DAO finden wir es als DO geschrieben zum Beispiel in Taekwondo oder Hapkido. Dieses kleine Wörtchen DAO respektive Do, hat ein so umfangreiches Bedeutungsspektrum, dass kein Mensch je in der Lage sein wird, es allumfassend zu erklären. Dennoch möchte ich Ihnen dieses für Kampfkünstler so wichtige kleine Wörtchen etwas näherbringen. Betrachten wir die Kalligraphie von DAO etwas genauer, so finden wir im rechten oberen Teil des Zeichens, das Schriftzeichen „Shou“ welches Oberhaupt, Anführer oder einfach nur Kopf bedeuten kann. In der alten Schreibweise wurde der Kopf durch das Abbilden einer Nase mit den darüber befindlichen Haarzöpfen, der einst modernen chinesischen Haartracht, dargestellt.
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Mit etwas Phantasie lassen sich die drei imaginären hellen Linien von Kien (Trigramm: „Das Schöpferische, der Himmel“, blau markiert) im Bereich der Nase, welche durch die schwarze Pinselfarbe mit zwei weiteren, innenliegenden, waagrechten Linien dargestellt wird, entdecken. Durch die Nase wird das Innen mit dem Außen über den steten Wandel der Atmung verbunden. Unter Shou befindet sich das chinesisches Radikal „Chuo“, welches mit „gehen“ übersetzt werden kann. Wie ein großer Säbel oder ein übergroßer Fuß bildet Chuo die Grundlage über welcher der Kopf von Shou die Führung übernimmt.  UW MD 2018 04 lu
 
Das DAO in der Kampfkunst könnte man auch mit der Nabe eines Rades vergleichen. Erst durch die Leere, das Fehlen von Etwas ist es möglich eine Achse in das Zentrum des Rades zu bringen um es nutzbar zu machen. Genau so wie man guten Tee nur in eine leere Tasse gießen kann oder Gebäude nur dadurch für uns nutzbar werden, da sie innen hohl sind. Das Material, die Technik einer Kampfkunst ist wertlos ohne einen Geist im Sinne des DAO!

UW MD 2018 04 rmKreis  Einwirkung  Fluss

Hapkidoin benutzen ihre Techniken wie ein Rad um die eigene Achse, welche sich im ruhenden Zentrum befindet und mit einem offenen Geist ohne Anstrengung und Mühe einen schnellen Fluss der Lebensenergie (Ki) ermöglicht. Energien, die außen auf das Zentrum einwirken wollen, werden in der aktiven Drehbewegung des Rades absorbiert und im weiteren Bewegungsfluss umgeleitet.


DAO und das I GING

Wenn das DAO der Nabe eines Rades und dessen Nutzen gleicht, so könnte man in den Speichen des Rades auch die acht I GING Urzeichen als ein Werkzeug erkennen, das uns die 64 Erscheinungen des Lebens mit all seinen Bewegungen und Wandlungen wie ein Navigationsgerät zuverlässig erkennen lässt!
 
Ihr Uwe Wischhöfer
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Uwe Wischhöfer
NLP-Practitioner, DVNLP  /NLP-Master, DVNLP Hapkido 4. Dan, KHCA, Taekwondo 4. Dan, Kukkiwon Goboren 1963 - Kampfkünstler seit 1974 -  Gründung Yi-Jing-Do Akademie (Hapkido / Taekwondo / Kickboxen / Fitness / Bewusstseinsarbeit) Februar 2003.  Kampfkunstjournalist und Autor mit zahlreichen Publikationen zur Bewusstseinsarbeit mit dem I Ging (dem chinesischen Buch der Wandlungen) sowie diversen Technikserien im "TAEKWONDO AKTUELL" (Park Verlags GmbH Stuttgart) 2008 bis 2016 .  Verlagsgründung: HAPKIDO magazin 2018