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Energiebahnen und Nervenpunkte in den Kampfkünsten

Energiebahnen und Nervenpunkte in den Kampfkünsten

In fast allen Kampfkünsten, wie auch in unserer Kampfkunst Hapkido finden Nervenpunkte Anwendung. Wie stark Nervenpunkte in der Anwendung ein- und umgesetzt werden, liegt zum einen an der Kampfkunst selbst und zum anderen an den Personen, die diese betreiben. Über die Wirkung und den Einsatz wird von Menschen mit wenig Hintergrundwissen und Erfahrung in diesen Bereichen oft sehr schnell geurteilt. Nervenpunkte sind etwas Unbekanntes – warum sollte das funktionieren? Bei der Betrachtung und Ausübung von Nervenpunktanwendungen ist Ehrlichkeit das Wichtigste. Man sollte immer ehrlich zu sich selbst und allen Anderen sein, da nicht immer und bei Jedem alles nach Lehrbuch funktioniert. Menschen sind unterschiedlich veranlagt, haben unterschiedliche Schmerzempfindungen und zeigen in manchen Bereichen wenig bis keine oder sehr starke Reaktionen. Unter Stress oder dem Einfluss von Rauschmitteln sinkt die Schmerzschwelle stark ab oder wird sogar komplett abgeschaltet. Was immer funktionieren wird, sind die unbewussten Reflexe.

In den koreanischen Kampfkünsten haben Energielehre, Heilkunst und Gesunderhaltung eine lange Tradition, die von einigen Kampfkunststilen gepflegt und gelehrt wird. Es sollte immer zuerst das Wissen um die Gesundheit, die energetischen Zusammenhänge und die Wiederherstellung gelehrt werden, bevor dies in Kampfanwendungen umgesetzt und trainiert wird. So wie es Menschen mit einer niedrigen Schmerzschwelle gibt, gibt es auch Menschen die sehr schnell und sehr stark reagieren. Daher muss man im Training sehr vorsichtig vorgehen und die gesundheitlichen Einschränkungen jedes Einzelnen beachten. Experimente sollten daher dringend vermieden werden!   

Im Hapkido findet man Energie- und Nervenpunktanwendungen in unterschiedlichster Weise, je nachdem wie es im Ausbildungsprogramm des Stils vorgesehen ist. Diese Anwendungen werden in der Atemschulung, Energiedehnungsübungen, Heilgymnastik, Akupressurtechniken, Druckmassage, Meditation und in der Unterstützung von  Kampfanwendungen umgesetzt. Bei den Kampfanwendungen gibt es verschiedene Möglichkeiten dies umzusetzen. Z. B. kann es sehr gut nach dem Um und Yang Prinzip umgesetzt werden, da der Wechsel der harten Art (Yang) und der weichen Art (Um) Dynamik und Wirkung in die Anwendungskombinationen bringt. Auch nach der Fünf-Elemente Lehre kann dies sehr wirkungsvoll eingesetzt werden. Vieles was sehr unscheinbar aussieht, hat eine überraschende Wirkung, wenn es richtig ausgeführt wird.

Energiebahnen (Meridianbahnen) kann man streichen, um Muskelgruppen zu entspannen. Besondere Nervenpunkte können gedrückt, gerieben oder geschlagen werden. Je nach Intensität werden hier unterschiedliche Signale an das Nervensystem gesendet und so eine Reaktion erreicht. Je größer die Unterschiede der Signale sind, desto mehr Wirkung wird verursacht, denn der gesamte Energiehaushalt eines Menschen versucht das Gleichgewicht zu halten. Größere Reaktionen können durch die Kombination von verschiedenen Impulsen hervorgerufen werden. Dies äußert sich in Entspannung, Anspannung, Schmerz, Reaktionen auf das periphere und zentrale Nervensystem, Auslösen von Schutzfunktionen des Nervensystems, uvm. Anhand von einer kleinen Beschreibung und einem Anwendungsbeispiel möchte ich mit diesem Artikel einen Einstieg in die Anwendung von Energie- und Nervenpunkten geben. 

Ich wünsche euch viel Erfolg beim Ausprobieren.

Erwin Pfeiffer

Erwin  Pfeiffer
Kampfkunst seit 1974 

7. Dan Hapkido by GM Yoon 
Koordinator für Lehre und Prüfung bei Mu Sul Hapkido 
Tae Kuk Mu Sul Energie-Master by GM Prof. Dr. Kim
8. Dan Ju-Jitsu Shiatsu und Kuatsu Parktiker 
Head Teacher Pressure Point Akademy